Voneinander und Miteinander Lernen

Manchmal frage ich mich, warum wir Reiter oftmals so vehement die Reitweise, die wir vielleicht eher zufällig als bewusst gewählt haben, als die einzig Richtige betrachten und nur sehr wenig über den Tellerrand blicken. Bei mir war es tatsächlich eher Zufall, dass ich zum Westernreiten kam, denn in meiner Heimat gab und gibt es eigentlich viel mehr Möglichkeiten „englischen“ Reitunterricht zu nehmen. Aber ist man erst einmal bei einer bestimmten Reitweise gelandet, so glaubt und imitiert man in der Regel das, was dort vermittelt wird und was man da so tagtäglich von bereits erfahreneren Reitern so sieht. Das muss nicht unbedingt richtig und schön sein, aber weil es im Umfeld alle so machen, wird es zur Normalität und man hinterfragt – zumindest am Anfang – das Erlernte nicht.

Glücklicherweise ist es heute durch die neuen Medien wie das Internet und die sozialen Netzwerke viel leichter möglich sich z.B. Videos anderer Reitweisen anzuschauen, die Kursangebote sind sehr vielfältig und es ist sehr einfach zu vergleichen und seinen eigenen Horizont zu erweitern. Sofern man das möchte.

Natürlich werden diese Möglichkeiten jedoch leider nicht nur dazu genutzt zu lernen, sondern, wie mir manchmal scheint, vor allem, um über andere Reitweisen und Andersdenkende zu lästern. Das ist natürlich sehr schade, denn viele Wege führen bekanntlich nach Rom und warum sollte es nicht in jedem Bereich etwas geben, dass mir als Reiter und meinem Pferd bei der Ausbildung helfen kann? Oder: Warum kann ich das, was ich bei anderen Reitweisen sehe, nicht trotzdem schön finden und die Leistungen anerkennen, auch wenn ich für mich entschieden habe, dass ich mit meiner Reitweise sehr glücklich bin?

Wir alle reiten Pferde und ihnen ist es ziemlich egal, ob wir nun Cowboystiefel und Jeans tragen oder schicke Reitstiefel, in denen Reithosen mit Glitzersteinchen stecken.

Damit meine ich allerdings nicht, dass man nun munter alles miteinander vermischen und sein Pferd völlig verwirren sollte. Das wäre sicher nicht zielführend. Aber ich denke, dass es in jeder Reitweise  Lehransätze oder Übungen gibt, die gesunderhaltendes und –förderndes Reiten beinhalten oder dabei helfen können, den Reitersitz zu verbessern.

Auch wenn ich beispielsweise nicht „spanisch“ reite, so finde ich es faszinierend, dass mir das Reiten mit der Garrocha hilft, meinen Sitz zu verbessern oder dass die Rinderarbeit meinem Pferd und mir geholfen hat Ängste zu überwinden. Außerdem hat es dazu geführt, dass wir partnerschaftlich eine gemeinsame sinnvolle Aufgabe zu erfüllen hatten. Erstaunlicherweise habe ich dadurch auch die Erfahrung gemacht, dass klassische Dressurlektionen hierfür geradezu benötigt werden oder sogar besser erlernt werden können. Im Gegensatz zum Dressurviereck passiert dies dort aber quasi spielerisch. Allerdings gibt es auch im Dressurviereck tolle Übungen, die überhaupt nicht langweilig sind und ein Pferd durchaus motivieren können.

Auf vielen meiner Kurse die ich besuche, treffe ich auf Trainer und Reiter anderer Reitweisen und ich finde den Austausch mit ihnen sehr schön und empfinde es als angenehm, dass stets ein respektvoller und offener Umgang herrscht, bei dem alle Miteinander und Voneinander lernen. Aus diesem Grund und der Erfahrung heraus möchte ich dazu ermuntern, sich auch einmal mit anderen Reitweisen zu beschäftigen. Es kann uns Reitern mit Sicherheit nicht schaden und so unterschiedlich wir Menschen und unsere Ansichten manchmal auch sind, eins sollte uns immer einen.

Unser uns anvertrauter Partner Pferd!

In diesem Sinne

RESPECT YOUR HORSE

Alles Zirkus oder doch lieber Basis?

Häufiger kommt es in meinem reiterlichen Umfeld vor, dass Zirkuslektionen das „Nonplus-Ultra“zu sein scheinen und nahezu jeder möchte, dass sein Pferd auch so schöne Kunststückchen  kann. Vielfach wird auch von Trainern propagiert, dass Zirkuslektionen die Beziehung zum Pferd fördern und dass man sein Pferd gleichzeitig damit gymnastizieren kann. Das mag vielleicht zutreffen und es mag Pferde geben, die sich dafür anbieten.

Im normalen Freizeitreiter-Alltag erlebe ich aber einerseits, dass der tägliche Umgang mit dem Pferd schon nicht klappt und es fast schon an ein Wunder grenzt, dass sich nicht mehr Reiter und Pferde verletzen. Andererseits sehe ich durchaus auch Pferdemenschen, die ihrem Pferd das eine oder andere Kunststück beigebracht haben. Die wiederum teilen sich auf in diejenigen, die es wirklich gut machen und in diejenigen, die es a) auf abzulehnende  Weise dem Pferd beigebracht haben und b) ihr Pferd eher als Marionette und Instrument zur Selbstdarstellung nutzen.

Auch ich war früher sehr beeindruckt, wenn ich jemanden sah, der Kunststücke mit seinem Pferd machen konnte. Solange bis ich sah, wie die Pferde teilweise dazu gebracht werden und wie sie immer wieder ihr Programm abspulen müssen. Da gibt es Internetseiten von selbsternannten Horseman oder Pferdeflüsterern, die seitenlang beschreiben, wie wichtig ihnen die Beziehung zum Partner Pferd ist. Zudem wird in Kursen gerne vermittelt, wie man dies alles spielerisch auch seinem eigenen Pferd beibringen kann. Da scheut man sich nicht, Bilder zu zeigen, wie das Pferd zu dritt und mit diversen Stricken verzurrt ins Kompliment gebracht wird. Und das Alles mit der Überzeugung gutes Horsemanship zu bieten.

Nun habe ich grundsätzlich gar nichts gegen Zirkuslektionen, solange die Würde des Pferdes gewahrt wird. Wichtig ist mir zudem, dass eine Sensibilität dafür entwickelt wird, wie es dem Pferd beigebracht wird, wie sich das Pferd dabei fühlt und was will ich eigentlich mit dem Einstudieren von Zirkuslektionen erreichen?

Aus meiner Sicht haben Zirkuslektionen, die letztendlich nichts anderes als eine Dressur sind, im Freizeitreiter-Alltag keinen nennenswerten Nutzen. Viel wichtiger ist mir ein sicheres, zuverlässiges Pferd im täglichen Umgang, im Gelände oder in der Reitbahn. Dazu braucht es eine solide Basisausbildung, die zugegebenermaßen ziemlich unspektakulär ist. Man kann sie sich aber gemeinsam mit dem Partner Pferd erarbeiten, indem man auch auf die vielen kleinen Dinge im Umgang mit dem Pferd achtet und sich Fragen stellt wie: „Fühlt es sich in seiner Umgebung wohl? Bin ich grob oder feinfühlig mit ihm? Wie führe ich mein Pferd oder führe ich überhaupt? Quetsche ich ihm beim Halftern/Trensen die Ohren? Habe ich einen Plan, wie mein Pferd selbstsicherer, geschmeidiger wird?“

Diese Liste lässt sich beliebig erweitern. Doch eins ist vor allem wichtig. Ich muss stets an mir selbst arbeiten und wenn etwas nicht klappt, immer wieder zur Basis zurückkehren. Ja, das ist unspektakulär, ist aber uneingeschränkt auch der Tenor sehr erfahrener Pferdemenschen, wie z.B. Frederic Pignon, der ganz wundervoll und geradezu magisch anmutend mit seinen Pferden arbeitet.

In diesem Sinne

RESPECT YOUR HORSE